Jetzt wird doch geflutet. Die Tore des Staudamms in der Nähe von Pergamon wurden geschlossen und der Wasserspiegel hat laut türkischer Medien bereits die Ruinen von Allianoi erreicht, eine der ältesten Kuranlagen der Welt. Die Ausgrabungen in Allianoi überraschten bei ihrer Ausgrabung 1998 selbst Experten. Nur 20 Prozent der Anlage wurden bisher freigelegt, und nun verschwinden sie unter Wasser.
Seit Jahren versuchen Staudammgegner mit Unterstützung von Wissenschaftlern die Flutung dieses Staudamms zu verhindern. Den Behörden wird jetzt seitens der Gegner vorgeworfen, den Ausgang des Rechtsstreits nicht einmal abgewartet zu haben.
Weil die Türkei etwa 20 Prozent ihres Energiebedarfs durch Wasserkraft erzeugt und etwa 70 Prozent Energie importieren muss, sind noch weitere Stadämme geplant. Auch die antike Stadt Hasankeyif wäre schon längst im Wasser versunken, hätten nicht massive Proteste das Projekt bisher verhindert. Unverständlich ist, warum in einem sonnenreichen Land wie der Türkei noch immer kein Strom durch Solar-Energie hergestellt wird.
Der Staudamm bei Allianoi allerdingst ist nicht für die Energiegewinnung, sondern für die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen gedacht. Ein solcher Staudamm wurde auch in 2009 in der südtürkischen Stadt Alanya geflutet, der teils zur Stromgewinnung, teils für die Bewässerung von Feldern vorgesehen war. Doch als mit dem Bau des Dim-Staudamms in Alanya vor etwa 15 Jahren begonnen wurde, konnte wohl niemand voraussehen, dass nach seiner Fertigstellung kaum noch landwirtschaftliche Flächen zu bewässern sind, weil sie entweder bebaut wurden oder aber nicht mehr bewirtschaftet werden. Die Türkei hat einen großen Teil ihrer Landwirtschaft durch die Auflagen der EU im Zuge der Beitrittsverhandlungen aufgeben müssen. So wird beispielsweise kaum noch Baumwolle angebaut. Einige Jahre lang wurde den Baumwollbauern ein kleines "Schmerzensgeld" gezahlt, damit sie auf ihren Feldern nicht mehr arbeiten, jetzt bekommen sie gar nichts mehr. Wen wundert`s da, dass sie alle nur darauf warten, dass auch auf ihren ehemaligen Feldern endlich Hotels oder Wohnblöcke gebaut werden.
Montag, 21. Februar 2011
Sonntag, 13. Februar 2011
Mittwoch, 9. Februar 2011
Wael Ghonim - die Personifizierung der ägyptischen Protestbewegung
Wer heute noch an der Macht von Facebook, Twitter & Co. zweifelt, sollte sich einmal anschauen, wie Wael Ghonim nach seiner Freilassung in Ägyten endgültig zum Gesicht der Protestbewegung geworden ist.
Der Google-Mitarbeiter war 12 lange Tage von den ägyptischen Sicherheits-Behörden festgehalten worden und ist seit Montag wieder frei. Nun wird er gefeiert, wie ein Held. Im vergangenen Jahr hatte der 30-Jährige die Facebook-Seite "Wir sind alle Khaled Said" gegründet, die auch zu den Protesten am 25. Januar aufrief. Khaled Said wurde im vergangenen Jahr in Alexandria von Polizisten zu Tode geprügelt.
Direkt nach seiner Freilassung gab Ghonim dem Privatsender Dream TV ein sehr emotionales Interview und kurz darauf hatte seine Facebook-Seite 170 000 neue Mitglieder. Seine Person und seine Geschichte dominiert in diesen Tagen die ägyptische Presse sowie das Internet. Diese Protestbewegung, die vor allem von der jüngeren Generation in Ägypten getragen wird, hat inzwischen massenweise Anhänger aus jeder Bevölkerungsschicht und jeden Alters bekommen.
Der Google-Mitarbeiter war 12 lange Tage von den ägyptischen Sicherheits-Behörden festgehalten worden und ist seit Montag wieder frei. Nun wird er gefeiert, wie ein Held. Im vergangenen Jahr hatte der 30-Jährige die Facebook-Seite "Wir sind alle Khaled Said" gegründet, die auch zu den Protesten am 25. Januar aufrief. Khaled Said wurde im vergangenen Jahr in Alexandria von Polizisten zu Tode geprügelt.
Direkt nach seiner Freilassung gab Ghonim dem Privatsender Dream TV ein sehr emotionales Interview und kurz darauf hatte seine Facebook-Seite 170 000 neue Mitglieder. Seine Person und seine Geschichte dominiert in diesen Tagen die ägyptische Presse sowie das Internet. Diese Protestbewegung, die vor allem von der jüngeren Generation in Ägypten getragen wird, hat inzwischen massenweise Anhänger aus jeder Bevölkerungsschicht und jeden Alters bekommen.
Montag, 7. Februar 2011
So schön, dass es Euch gibt...
Heute wurde Bernd Eichinger beerdigt. Kürzlich war es Christoph Schlingensief und die vielen, die nicht in der Presse erscheinen, sind gegangen in den vergangenen Jahren - für immer. Die Trauer um großartige Künstler oder um diejenigen, die uns in unserem höchst privaten Leben viel bedeutet haben, ist nicht nur Ausdruck eines zutiefst empfundenen Verlustes, sondern auch - und vielleicht sogar vor allem - der Gewissheit um die eigene Endlichkeit.
Ich erinnere mich noch gut an die 80-er Jahre, da erlebte ich zum ersten Mal solch eine Sterbewelle. Einige starben an Drogen, einige verzweifelten am noch ganz jungen Leben und begingen Selbstmord, andere starben durch Motorrad- oder Autounfälle. Der eine oder andere Todesfall kam einem damals so furchtbar bedrohlich nahe, man spürte den Tod hautnah und eiskalt, dass mir noch heute eine Gänsehaut "wächst".
Heute ist man da irgendwie furchtloser, eventuell deshalb, weil man sich an das Sterben rundherum gewöhnt hat? Weil man vielleicht nun mit den Lücken, die entstanden sind, besser umzugehen weiß, weil wir uns ohnehin schon längst in alle Winde verstreut hatten und somit nicht mehr, wie früher, ständig zusammen hockten? Oder weil wir einfach insgesamt mit den Jahren "cooler" geworden sind?
Viele Fragen, kaum Antworten! Ich persönlich habe gelernt, so manche schöne Erinnerung lebendig zu erhalten, und mich in stillen Momenten an ihnen zu erfreuen. Eben diese stillen Momente suche ich immer häufiger und dabei wird mir bewusst, dass es eben diese Momente sind, von denen ich früher - in den "wilden Zeiten" immer sprach: "Ich möchte später im Schaukelstuhl sitzend mich beim Erinnern freuen können!" Zur Zeit finden diese höchst privaten Erinnerungen noch nicht im Schaukelstuhl statt, aber es kommt vor, dass ich leise vor mich hin lache, weil sie immer lebendiger werden!
Freuen wir uns also nicht nur über die hoffentlich immer lebendig bleibenden Erinerungen an diejenigen, die bereits in die Parallelwelt umgezogen sind, sondern vergessen wir darüber nicht, uns über diejenigen Freunde, Bekannte und Verwandte zu freuen und sie zu schätzen, solange sie noch real erreichbar sind. Nach ihrem Tod Loblieder auf sie zu singen oder sich gar mit ihnen zu schmücken, während man sie in diesem Leben nicht genügend zu schätzen wusste, ist relativ sinnlos, dafür eher unanständig!
An alle meine mir lieben Menschen: Wie schön, dass es Euch gibt!
Ich erinnere mich noch gut an die 80-er Jahre, da erlebte ich zum ersten Mal solch eine Sterbewelle. Einige starben an Drogen, einige verzweifelten am noch ganz jungen Leben und begingen Selbstmord, andere starben durch Motorrad- oder Autounfälle. Der eine oder andere Todesfall kam einem damals so furchtbar bedrohlich nahe, man spürte den Tod hautnah und eiskalt, dass mir noch heute eine Gänsehaut "wächst".
Heute ist man da irgendwie furchtloser, eventuell deshalb, weil man sich an das Sterben rundherum gewöhnt hat? Weil man vielleicht nun mit den Lücken, die entstanden sind, besser umzugehen weiß, weil wir uns ohnehin schon längst in alle Winde verstreut hatten und somit nicht mehr, wie früher, ständig zusammen hockten? Oder weil wir einfach insgesamt mit den Jahren "cooler" geworden sind?
Viele Fragen, kaum Antworten! Ich persönlich habe gelernt, so manche schöne Erinnerung lebendig zu erhalten, und mich in stillen Momenten an ihnen zu erfreuen. Eben diese stillen Momente suche ich immer häufiger und dabei wird mir bewusst, dass es eben diese Momente sind, von denen ich früher - in den "wilden Zeiten" immer sprach: "Ich möchte später im Schaukelstuhl sitzend mich beim Erinnern freuen können!" Zur Zeit finden diese höchst privaten Erinnerungen noch nicht im Schaukelstuhl statt, aber es kommt vor, dass ich leise vor mich hin lache, weil sie immer lebendiger werden!
Freuen wir uns also nicht nur über die hoffentlich immer lebendig bleibenden Erinerungen an diejenigen, die bereits in die Parallelwelt umgezogen sind, sondern vergessen wir darüber nicht, uns über diejenigen Freunde, Bekannte und Verwandte zu freuen und sie zu schätzen, solange sie noch real erreichbar sind. Nach ihrem Tod Loblieder auf sie zu singen oder sich gar mit ihnen zu schmücken, während man sie in diesem Leben nicht genügend zu schätzen wusste, ist relativ sinnlos, dafür eher unanständig!
An alle meine mir lieben Menschen: Wie schön, dass es Euch gibt!
Mittwoch, 2. Februar 2011
“Mubarak, Du wirst sterben!”
So wurde der türkische Ministerpräsident in der Überschrift eines Artikels in der türkischen Tageszeitung “Taraf” zitiert. Erdogan, der kurz vor seiner Abreise nach Kirgistan noch eine Rede zur Lage in Ägypten hielt, sagte: ” Niemand hält einem solchen Druck stand.” Und an die Adresse Mubaraks: “Hör auf das, was die Menschen wollen!”
Während einer Parlaments-Rede äußerte der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan sich dahingehend, dass er seine Ägypten-Reise verschoben habe, bis das Land sich wieder in einer normalen Situation befinde. An die Adresse Mubaraks sagte er, kein Land in der Geschichte habe je einem solch immensen Druck standhalten können und jedes Volk sprenge früher oder später die Ketten der Unterdrückung. Wir alle seien Menschen und jeder von uns werde einmal sterben. Wesentlich aber sei, dass wir für das, was wir hinterlassen auch zur Rechenschaft gezogen werden. “ Wir sind für das Volk da. Wir sind der Öffentlichkeit verpflichtet. Die Stimme des Volkes ist wertvoll und wir müssen ihr Gehör schenken. Wenn das Volk einen Wechsel will, dann sollte man diesem Ruf ohne Zögern nachkommen.”
Seine Partei, die AKP sei gegen den Status Quo an die Macht gekommen, sagte Erdogan. “Unsere Gradlinigkeit werden ein paar Intellektuelle oder einige Kolumnisten nicht aus der Form bringen”, sagte Erdogan.
“Wir beobachten hier zur Zeit eine autoritäre Außenpolitik. Die Türkei sagt “stop” zur Unterdrückung und hat alles, was in ihrer Macht stand dafür getan, um unseren Brüdern und Schwestern in den Nachbarstaaten zur Stabilität zu verhelfen”.
Die Mittelost-Staaten seien “dynamisch” und den Menschenrechten verpflichtet. “Wir müssen auf uns selbst vertrauen und die Schlacht für Gerechtigkeit und Freiheit gewinnen, ohne dass wir Gewalt, die zum Terrorismus führt, anwenden”. Erdogan betonte, dass die Türkei Ägypten genauso zur Seite stehe, so wie sie auch an der Seite Tunesiens war. An die Adresse des ägyptischen Volks sagte Erdogan: “Die Demokratie ist euer gutes Recht, aber ihr solltet dabei die Werte eures Landes erhalten. Wir möchten nicht, dass aufgrund des Status Quo in Ägypten ein Tropfen Blut vergossen wird”.
Die Rede Erdogans wurde vom Sender Al Jazeera mit Simultanübersetzung live übertagen.
(Erstveröffentlichung in weltexpress.de)
Samstag, 29. Januar 2011
Helmut Schmidt und die weltumspannende Moral
92 Jahre und gibt noch immer keine Ruhe! Zum Glück für uns alle ist er noch so aktiv und will es auch jetzt immer noch wissen: Helmut Schmidt appelliert an ehemalige Amtskollegen in aller Welt, sich für die Allgemeine Erklärung der Menschenpflichten einzusetzen. Ein erster Versuch, dieses Projekt voranzubringen, scheiterte 1997.
Der "InterAction Council" ist ein Zusammenschluss hochrangiger Politiker aus aller Welt, der 1983 gegründet wurde, den man vielleicht auch "Think Tank für eine bessere Welt" nennen könnte. Dieser "Think Tank" legte damals, also 1997, einen Entwurf mit 19 Artikeln vor, in dem vorgeschlagen wurde, wie Menschen sich verpflichten sollten, Leben zu achten und gewaltfrei zu handeln, wie sie unter allen Umständen Gutes fördern und Böses meiden könnten. Vor allem aber geht es in dem Entwurf um faires Wirtschaften, Schutz der Umwelt und Gerechtigkeit im Allgemeinen.
Der "InterAction Council" hat sich zum Ziel gesetzt, eine weltumspannende Moral und eine globale Kultur der Verantwortlichkeit zu erreichen. Die Menschen sollten also nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten haben und vor allem sollen "alle Menschen menschlich behandelt" werden.
Artikel 1: Jede Person, gleich welchen Geschlechts, welcher ethnischen Herkunft, welchen sozialen Status, welcher politischer Überzeugung, welcher Sprache, welchen Alters, welcher Nationalität oder Religion, hat die Pflicht, alle Menschen menschlich zu behandeln.
Artikel 2: Keine Person soll unmenschliches Verhalten, welcher Art auch immer, unterstützen, vielmehr haben alle Menschen die Pflicht, sich für die Würde und die Selbstachtung aller anderen Menschen einzustzen.
Artikel 3: Keine Person, keine Gruppe oder Organisation, kein Staat, keine Armee oder Polizei steht jenseits von Gut und Böse; sie alle unterstehen moralischen Maßstäben. Jeder Mensch hat die Pflicht, unter alle Umständen Gutes zu fördern und Böses zu meiden.
Artikel 4: Alle Menschen, begabt mit Vernunft und Gewissen, müssen im Geist der Solidarität Verantwortung übernehmen gegenüber jeden und allen, Familien und Gemeinschaften, Rassen, Nationen und Religionen: Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu.
Artikel 5: Jede Person hat die Pflicht, Leben zu achten. Niemand hat das Recht, eine andere menschliche Person zu verletzen, zu foltern oder zu töten. Dies schließt das Recht auf gerechtfertigte Selbstverteidiung von Individuen und Gemeinschaften nicht aus.
Artikel 6: Streitigkeiten zwischen Staaten, Gruppen oder Individuen sollen ohne Gewalt ausgetragen werden. Keine Regierung darf Akte des Völkermords oder des Terrorismus tolerieren oder sich daran beteiligen, noch darf sie Frauen, Kinder oder irgendwelche anderen zivilen Personen als Mittel zur Kriegsführung missbrauchen. Jeder Bürger und öffentliche Verantwortungsträger hat die Pflicht, auf friedliche, gewaltfreie Weise zu handeln.
Artikel 7: Jede Person ist unendlich kostbar und muss unbedingt geschützt werden. Schutz verlangen auch die Tiere und die natrliche Umwelt. Alle Menschen haben die Pflicht, Luft, Wasser und Boden um der gegenwärtigen Bewohner und der zukünftigen Generationen willen zu schützen.
Artikel 8: Jede Person hat die Pflicht, sich integer, ehrlich und fair zu verhalten. Keine Person oder Gruppe soll irgendeine andere Person oder Gruppe ihres Besitzes berauben oder ihn willkürlich wegnehmen.
Artikel 9: Alle Menschen, denen die notwendigen Mittel gegeben sind, haben die Pflicht, ernsthafte Anstrengungen zu unternehmen, um Armut, Unterernährung, Unwissenheit und Ungleichheit zu überwinden. Sie sollen überall auf der Welt eine nachhaltige Entwicklung fördern, um für alle Menschen Würde, Freiheit, Sicherheit und Gerechtigkeit zu gewährleisten.
Artikel 10: Alle Menschen haben die Pflicht, ihre Fähigkeiten durch Fleiß und Anstrengung zu entwickeln, sie sollen gleichen Zugang zu Ausbildung und sinnvoller Arbeit haben. Jeder soll den Bedürftigen, Benachteiligten, Behinderten und den Opfern von Diskriminierung Unterstützung zukommen lassen.
Artikel 11: Alles Eigentum und aller Reichtum müssen in Übereinstimmung mit der Gerechtigkeit und zum Fortschritt der Menscheit verantwortungsvoll verwendet werden. Wirtschaftliche und politische Macht darf nicht als Mittel zur Herrschaft eingesetzt werden, sondern im Dienst wirtschaftlicher Gerechtigkeit und sozialer Ordnung.
Artikel 12: Jeder Mensch hat die Pflicht, wahrhaftig zu reden und zu handeln. Niemand, wie hoch oder mächtig auch immer, darf lügen. Das Recht auf Privatsphäre und auf persönliche oder berufliche Vertraulichkeit muss respektiert werden. Niemand ist verpflichtet, die volle Wahrheit jedem zu jeder Zeit zu sagen.
Artikel 13: Keine Politiker, Beamten, Wirtschaftsführer, Wissenschaftler, Schriftsteller oder Künstler sind von allgemeinen ethischen Maßstäben entbunden, noch sind es Ärzte, Juristen und andere Berufe, die Klienten gegenüber besondere Pflichten haben. Berufsspezifische oder andersartige Ethikkodizes sollen den Vorrang allgemeiner Maßstäbe wie etwa Wahrhaftigkeit und Fairness widerpiegeln.
Artikel 14: Die Freiheit der Medien, die Öffentlichkeit zu informieren und gesellschaftliche Einrichtungen wie Regierungsmaßnahmen zu kritisieren - was für eine gerechte Gesellschaft wesentlich ist -, muss mit Verantwortung und Umsicht gebraucht werden. Die Freiheit der Medien bringt eine besondere Verantwortung für genaue und wahrheitsgemäße Berichterstattung mit sich. Sensationsberichte, welche die Person oder die Würde erniedrigen, müssen stets vermieden werden.
Artikel 15: Während Religionsfreiheit garantiert sein muss, haben die Repräsentanten der Religionen eine besondere Pflicht, Äußerungen von Vorurteilen und diskriminierende Handlungen gegenüber Andersgläubigen zu vermeiden. Sie sollen Hass, Fanatismus oder Glaubenskriege weder anstiften noch legitimieren, vielmehr sollen sie Toleranz und gegenseitige Achtung unter allen Menschen fördern.
Artikel 16: Alle Männer und alle Frauen haben die Pflicht, einander Achtung und Verständnis in ihrer Partnerschaft zu zeigen. Niemand soll eine andere Person sexueller Ausbeutung oder Abhängigkeit unterwerfen. Vielmehr sollen Geschlechtspartner die Verantwortung für die Sorge um das Wohlergehen des anderen wahrnehmen.
Artikel 17: Die Ehe erfordert - bei allen kulturellen und religiösen Verschiedenheiten - Liebe, Treue und Vergebung udn sie soll zum Ziel haben, Sicherheit und gegenseitige Unterstützung zu garantieren.
Artikel 18: Vernünftige Familienplanung ist die Verantwortung eines jeden Paares. Die Beziehung zwischen Eltern und Kindern soll gegenseitige Liebe, Achtung, Wertschätzung und Sorge widerspiegeln. Weder Eltern noch andere Erwachsene sollen Kinder ausbeuten, missbrauchen oder misshandeln.
Artikel 19: Keine Bestimmung dieser Erklärung darf so ausgelegt werden, dass sich daraus für den Staat, eine Gruppe oder eine Person irgendein Recht ergibt, eine Tätigkeit auszuüben oder eine Handlung vorzunehmen, welche auf die Vernichtung der in dieser Erklärung und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 angeführten Pflichten, Rechte und Freiheiten abzielen.
(Quelle: Die Zeit 1997)
Dieses Ziel, so selbstverständlich und banal eigentlich, ist so wichtig und unabdingbar für eine Welt des Friedens und der Menschlichkeit, dass Helmut Schmidt, Ehrenvorsitzender des Rates dieses mit seinen Mitstreitern Richard von Weiszäcker, Nelson Mandela, Gro Brundtland, Valery Giscard d`Estaing, Jimmiy Carter, Franz Vranitzky und Malcom Frazer noch einmal auf die Tagesordnung bringt, um es durchzusetzen.
Schmidt erklärt den neuen Vorstoß, diese Idee in die Vollversammlung der Vereinten Nationen zu bringen, damit, dass die Welt sich sehr verändert habe und das Scheitern von 1997 auf Missverständniss der Menschenrechtler zurück zu führen sei. "Sie fürchteten, dass unsere Erlärung die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte unterminieren würde". Beabsichtigt aber sei eine Stärkung der Menschenrechte, schreibt Schmidt.
Wie im "DerWesten" zu lesen war, sei auch die Vereinigung deutscher Wissenschaftler (VDW) ein langjähriger Verfechter dieser Idee, die in "Anbetracht von immer mehr zunehmenden Weltproblemen wie die Bedrohungen durch Klimaveränderungen, Probleme im Weltfinanzsystem, Hunger, Armut Auseinanderklaffen von Arm und Reich, Wasser-, Energie und Ressourchenknappheit, Kriege, Terrorismus" auf eine bessere Abstimmung der Politiken der einzelnen Staaten in Form von "Weltverträgen" erfolgreich sein könnte.
(Erstveröffentlichung weltexpress.de)
Der "InterAction Council" ist ein Zusammenschluss hochrangiger Politiker aus aller Welt, der 1983 gegründet wurde, den man vielleicht auch "Think Tank für eine bessere Welt" nennen könnte. Dieser "Think Tank" legte damals, also 1997, einen Entwurf mit 19 Artikeln vor, in dem vorgeschlagen wurde, wie Menschen sich verpflichten sollten, Leben zu achten und gewaltfrei zu handeln, wie sie unter allen Umständen Gutes fördern und Böses meiden könnten. Vor allem aber geht es in dem Entwurf um faires Wirtschaften, Schutz der Umwelt und Gerechtigkeit im Allgemeinen.
Der "InterAction Council" hat sich zum Ziel gesetzt, eine weltumspannende Moral und eine globale Kultur der Verantwortlichkeit zu erreichen. Die Menschen sollten also nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten haben und vor allem sollen "alle Menschen menschlich behandelt" werden.
Artikel 1: Jede Person, gleich welchen Geschlechts, welcher ethnischen Herkunft, welchen sozialen Status, welcher politischer Überzeugung, welcher Sprache, welchen Alters, welcher Nationalität oder Religion, hat die Pflicht, alle Menschen menschlich zu behandeln.
Artikel 2: Keine Person soll unmenschliches Verhalten, welcher Art auch immer, unterstützen, vielmehr haben alle Menschen die Pflicht, sich für die Würde und die Selbstachtung aller anderen Menschen einzustzen.
Artikel 3: Keine Person, keine Gruppe oder Organisation, kein Staat, keine Armee oder Polizei steht jenseits von Gut und Böse; sie alle unterstehen moralischen Maßstäben. Jeder Mensch hat die Pflicht, unter alle Umständen Gutes zu fördern und Böses zu meiden.
Artikel 4: Alle Menschen, begabt mit Vernunft und Gewissen, müssen im Geist der Solidarität Verantwortung übernehmen gegenüber jeden und allen, Familien und Gemeinschaften, Rassen, Nationen und Religionen: Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andern zu.
Artikel 5: Jede Person hat die Pflicht, Leben zu achten. Niemand hat das Recht, eine andere menschliche Person zu verletzen, zu foltern oder zu töten. Dies schließt das Recht auf gerechtfertigte Selbstverteidiung von Individuen und Gemeinschaften nicht aus.
Artikel 6: Streitigkeiten zwischen Staaten, Gruppen oder Individuen sollen ohne Gewalt ausgetragen werden. Keine Regierung darf Akte des Völkermords oder des Terrorismus tolerieren oder sich daran beteiligen, noch darf sie Frauen, Kinder oder irgendwelche anderen zivilen Personen als Mittel zur Kriegsführung missbrauchen. Jeder Bürger und öffentliche Verantwortungsträger hat die Pflicht, auf friedliche, gewaltfreie Weise zu handeln.
Artikel 7: Jede Person ist unendlich kostbar und muss unbedingt geschützt werden. Schutz verlangen auch die Tiere und die natrliche Umwelt. Alle Menschen haben die Pflicht, Luft, Wasser und Boden um der gegenwärtigen Bewohner und der zukünftigen Generationen willen zu schützen.
Artikel 8: Jede Person hat die Pflicht, sich integer, ehrlich und fair zu verhalten. Keine Person oder Gruppe soll irgendeine andere Person oder Gruppe ihres Besitzes berauben oder ihn willkürlich wegnehmen.
Artikel 9: Alle Menschen, denen die notwendigen Mittel gegeben sind, haben die Pflicht, ernsthafte Anstrengungen zu unternehmen, um Armut, Unterernährung, Unwissenheit und Ungleichheit zu überwinden. Sie sollen überall auf der Welt eine nachhaltige Entwicklung fördern, um für alle Menschen Würde, Freiheit, Sicherheit und Gerechtigkeit zu gewährleisten.
Artikel 10: Alle Menschen haben die Pflicht, ihre Fähigkeiten durch Fleiß und Anstrengung zu entwickeln, sie sollen gleichen Zugang zu Ausbildung und sinnvoller Arbeit haben. Jeder soll den Bedürftigen, Benachteiligten, Behinderten und den Opfern von Diskriminierung Unterstützung zukommen lassen.
Artikel 11: Alles Eigentum und aller Reichtum müssen in Übereinstimmung mit der Gerechtigkeit und zum Fortschritt der Menscheit verantwortungsvoll verwendet werden. Wirtschaftliche und politische Macht darf nicht als Mittel zur Herrschaft eingesetzt werden, sondern im Dienst wirtschaftlicher Gerechtigkeit und sozialer Ordnung.
Artikel 12: Jeder Mensch hat die Pflicht, wahrhaftig zu reden und zu handeln. Niemand, wie hoch oder mächtig auch immer, darf lügen. Das Recht auf Privatsphäre und auf persönliche oder berufliche Vertraulichkeit muss respektiert werden. Niemand ist verpflichtet, die volle Wahrheit jedem zu jeder Zeit zu sagen.
Artikel 13: Keine Politiker, Beamten, Wirtschaftsführer, Wissenschaftler, Schriftsteller oder Künstler sind von allgemeinen ethischen Maßstäben entbunden, noch sind es Ärzte, Juristen und andere Berufe, die Klienten gegenüber besondere Pflichten haben. Berufsspezifische oder andersartige Ethikkodizes sollen den Vorrang allgemeiner Maßstäbe wie etwa Wahrhaftigkeit und Fairness widerpiegeln.
Artikel 14: Die Freiheit der Medien, die Öffentlichkeit zu informieren und gesellschaftliche Einrichtungen wie Regierungsmaßnahmen zu kritisieren - was für eine gerechte Gesellschaft wesentlich ist -, muss mit Verantwortung und Umsicht gebraucht werden. Die Freiheit der Medien bringt eine besondere Verantwortung für genaue und wahrheitsgemäße Berichterstattung mit sich. Sensationsberichte, welche die Person oder die Würde erniedrigen, müssen stets vermieden werden.
Artikel 15: Während Religionsfreiheit garantiert sein muss, haben die Repräsentanten der Religionen eine besondere Pflicht, Äußerungen von Vorurteilen und diskriminierende Handlungen gegenüber Andersgläubigen zu vermeiden. Sie sollen Hass, Fanatismus oder Glaubenskriege weder anstiften noch legitimieren, vielmehr sollen sie Toleranz und gegenseitige Achtung unter allen Menschen fördern.
Artikel 16: Alle Männer und alle Frauen haben die Pflicht, einander Achtung und Verständnis in ihrer Partnerschaft zu zeigen. Niemand soll eine andere Person sexueller Ausbeutung oder Abhängigkeit unterwerfen. Vielmehr sollen Geschlechtspartner die Verantwortung für die Sorge um das Wohlergehen des anderen wahrnehmen.
Artikel 17: Die Ehe erfordert - bei allen kulturellen und religiösen Verschiedenheiten - Liebe, Treue und Vergebung udn sie soll zum Ziel haben, Sicherheit und gegenseitige Unterstützung zu garantieren.
Artikel 18: Vernünftige Familienplanung ist die Verantwortung eines jeden Paares. Die Beziehung zwischen Eltern und Kindern soll gegenseitige Liebe, Achtung, Wertschätzung und Sorge widerspiegeln. Weder Eltern noch andere Erwachsene sollen Kinder ausbeuten, missbrauchen oder misshandeln.
Artikel 19: Keine Bestimmung dieser Erklärung darf so ausgelegt werden, dass sich daraus für den Staat, eine Gruppe oder eine Person irgendein Recht ergibt, eine Tätigkeit auszuüben oder eine Handlung vorzunehmen, welche auf die Vernichtung der in dieser Erklärung und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 angeführten Pflichten, Rechte und Freiheiten abzielen.
(Quelle: Die Zeit 1997)
Dieses Ziel, so selbstverständlich und banal eigentlich, ist so wichtig und unabdingbar für eine Welt des Friedens und der Menschlichkeit, dass Helmut Schmidt, Ehrenvorsitzender des Rates dieses mit seinen Mitstreitern Richard von Weiszäcker, Nelson Mandela, Gro Brundtland, Valery Giscard d`Estaing, Jimmiy Carter, Franz Vranitzky und Malcom Frazer noch einmal auf die Tagesordnung bringt, um es durchzusetzen.
Schmidt erklärt den neuen Vorstoß, diese Idee in die Vollversammlung der Vereinten Nationen zu bringen, damit, dass die Welt sich sehr verändert habe und das Scheitern von 1997 auf Missverständniss der Menschenrechtler zurück zu führen sei. "Sie fürchteten, dass unsere Erlärung die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte unterminieren würde". Beabsichtigt aber sei eine Stärkung der Menschenrechte, schreibt Schmidt.
Wie im "DerWesten" zu lesen war, sei auch die Vereinigung deutscher Wissenschaftler (VDW) ein langjähriger Verfechter dieser Idee, die in "Anbetracht von immer mehr zunehmenden Weltproblemen wie die Bedrohungen durch Klimaveränderungen, Probleme im Weltfinanzsystem, Hunger, Armut Auseinanderklaffen von Arm und Reich, Wasser-, Energie und Ressourchenknappheit, Kriege, Terrorismus" auf eine bessere Abstimmung der Politiken der einzelnen Staaten in Form von "Weltverträgen" erfolgreich sein könnte.
(Erstveröffentlichung weltexpress.de)
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